Themen und Motive

Jesus und die Bibel

Die Darstellung Jesu in zwei kurzen Szenen zu Beginn des Films orientiert sich stark an christlicher Ikonografie und präsentiert ihn respektvoll gemäß der christlichen Glaubenslehre: Die Widerstandskämpfer verlassen die bibeltreu vorgetragene Bergpredigt verärgert, weil ihnen Jesus zu friedfertig ist: „Selig sind offenbar so ziemlich alle, die ein persönliches Interesse an der Aufrechterhaltung des Status quo haben […]“ Über die respektvolle Darstellung Jesu hinaus suggeriere der Film nach Auffassung der meisten Rezipienten auch niemals, dass es keinen Gott gebe oder Jesus nicht Gottes Sohn sei. Der Auftritt eines von Jesus geheilten Leprakranken bestätige die christliche Auffassung, wonach Christus Wunder vollbracht habe.

Nach den Einleitungsszenen verschwindet zwar jeder direkte Bezug auf Jesus, doch dient dessen Lebensgeschichte, soweit diese bekannt ist oder darüber spekuliert werden kann, als Rahmen und Subtext der Geschichte Brians. Dass Brian der uneheliche Sohn eines Römers ist, geht auf die polemische Legende zurück, Jesus sei der Sohn des römischen Soldaten Ben Panthera. Brian selbst spricht, als er sich als Prophet ausgeben muss, von den „Lilien auf dem Felde“ oder artikuliert in Klarheit: „Richtet nicht über andere, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.“ Die Annahme, dass Brian zusammenhanglos wiederholt, was er von Jesus aufgeschnappt hat, liegt nahe.

Neben Jesus kommt noch eine weitere in den Evangelien namentlich genannte Person vor: Pontius Pilatus, negativ besetzte Figur innerhalb der biblischen Erzählung, verkommt hier im Gegensatz zu Jesus „zur absoluten Witzfigur“. Obwohl es im Vorfeld der Kreuzigung Anspielungen auf Barabbas gibt, findet sich in Life of Brian keine Figur oder Handlungspassage, die Judas oder Kajaphas entspräche. „Ob beabsichtigt oder nicht, die Entscheidung, eine Kajaphas-Figur zu vermeiden, beugt der Möglichkeit vor, den Film als antisemitisch aufzufassen.“ Dass die Kreuzigung, zentrales Motiv der christlichen Ikonografie, innerhalb der Erzählweise des Films von ihrem historischen Kontext aus betrachtet und als routiniert durchgeführte Massenkreuzigung inszeniert wird, sorgte unter gläubigen Christen für Irritationen.

Glaube und Dogmatismus

Erklärtes Ziel der Satire ist nach übereinstimmenden Beobachtungen von Filmwissenschaftlern und den Pythons nicht Jesus und seine Lehre, sondern religiöser Dogmatismus, der sich per se auf nicht überprüfbare Überlieferungen und Behauptungen beruft.[134][61] Die Bergpredigt zu Beginn des Films macht diesen Zugang deutlich: Nicht nur die schlechte Akustik erschwert das Verständnis der Aussagen Jesu. Die Zuhörer scheitern in ihrer Selbstgefälligkeit daran, das Gesagte richtig und sinnvoll zu interpretieren: Als Jesus „Blessed are the Peacemakers“ („Selig sind die Friedfertigen“) spricht, verstehen die Zuhörer das phonetisch ähnliche „Cheesemakers“ („Käsehersteller“) und interpretieren dies wiederum als Metapher und Seligsprechung aller, die „Molkereiprodukte erzeugen“.

Im Sinne des religionsskeptischen Philosophen David Hume persifliert Life of Brian die starke Neigung der Menschen, an das Außergewöhnliche und Fantastische zu glauben. Als Brian seine sinnlose Predigt abbricht und sich von den Zuhörern abwendet, interpretiert die anwachsende Menge, Brian wolle das Geheimnis ewigen Lebens nicht preisgeben, und folgt ihm auf Schritt und Tritt. In ihrem verzweifelten Bedürfnis, sich gehorsam einer Autorität zu unterwerfen, erklärt die Menschenmenge Brian erst zum Propheten und schließlich zum Messias. Die Gläubigen versammeln sich in Massen unter Brians Fenster, ähnlich wie Katholiken unter dem Fenster des Papstes am Petersplatz in Rom, um einen göttlichen Segen zu erhalten. Hier spricht Brian nach übereinstimmenden Angaben die Kernbotschaft des Filmes aus: „Ihr sollt niemandem folgen. Ihr sollt selbstständig denken.“ Als nach der Veröffentlichung viele Gläubige auf Geheiß ihrer geistlichen Führer gegen Life of Brian protestierten, ohne ihn gesehen zu haben, sahen die Pythons diese Kernaussage der Satire bestätigt.

Terry Jones meinte, Life of Brian „ist nicht Blasphemie, sondern Ketzerei“, da er sich gegen die kirchliche Autorität wende, während der Glaube an Gott unangetastet bliebe: „Christus sagt all diese wundervollen Dinge über Friede und Liebe, doch zweitausend Jahre lang bringen sich die Leute gegenseitig in Seinem Namen um, weil sie sich nicht einigen können, wie oder in welcher Reihenfolge Er es gesagt hat.“ Als die fanatische Anhängerschaft im rechtschaffenen Gefühl, Teil göttlicher Offenbarung zu sein, über die richtige Interpretation einer von Brian verlorenen Sandale streitet, ist das laut Terry Jones „die Geschichte der Kirche in drei Minuten.“ Auch Kevin Shilbrack stellt fest: „Tatsächlich kann man religiös sein und dennoch mit den Aussagen des Films vollkommen übereinstimmen.“

Dass Dogmatismus in den Reihen der politischen Linken Ziel des Spotts ist, ging in der religiösen Kontroverse meist unter. Laut John Cleese entstanden damals in Großbritannien schier unüberschaubar viele linke Organisationen und Parteien, die sich eher gegenseitig bekämpften als den politischen Gegner – weil es ihnen so wichtig war, „dass ihre Lehre rein war“. Der Anführer der „Volksfront von Judäa“ macht im Film klar: „Die einzigen, die wir noch mehr hassen als die Römer… sind die von der scheiß Judäischen Volksfront.“ Verstrickt in ständige Debatten und deren genaue Protokollierung lesen diese „recht vertrottelten Revolutionäre“ schließlich Brian am Kreuz eine ausgefeilte Erklärung vor, anstatt ihn zu retten. So akzeptieren sie indirekt die Besatzer und deren Hinrichtungsmethoden als Schicksal, das man zu ertragen hat.

Kaum Beachtung in den Besprechungen fand auch der Seitenhieb auf die Frauenbewegung, die in den 1970er-Jahren begann, auf sich aufmerksam zu machen. Widerstandskämpfer Stan möchte – in der Sprache der politischen Aktivisten – „sein Recht als Mann“ nutzen, eine Frau zu sein. Weil niemandem das Recht, Babys zu bekommen, genommen werden dürfe, akzeptiert die Gruppe ihn nun fortwährend als „Loretta“. Außerdem setzt sich in Folge dessen als neue Sprachregelung „sibling“ („Geschwister“) statt „Bruder“ bzw. „Schwester“ durch.

Individualismus und Sinnlosigkeit

Die große Anhängerschar Brians folgte ihm bis zum Schlafzimmerfenster. Irritiert von der Verehrung, die sie ihm entgegenbringt, erklärt er der gläubigen Menschenmasse: „Ihr braucht mir nicht zu folgen. Ihr braucht niemandem zu folgen. Ihr seid alle Individuen. […] Lasst euch von niemanden sagen, was ihr zu tun habt.“ Diese oft rezipierte Szene ist laut Edward Slowik „zweifellos einer jener seltenen Momente“, in dem die Pythons „offen und direkt ein philosophisches Konzept“ ausdrücken. Schon die Fernsehserie Monty Python’s Flying Circus, für die sich die Komikergruppe Ende der 1960er-Jahre formierte, basierte in ihrem Humorverständnis auf Individualismus und Unangepasstheit. Life of Brian bringt die existenzialistische Auffassung, wonach jeder selbst dem eigenen Leben Sinn geben müsse, auf den Punkt.

Brian kann man demnach als Existenzialist in der Tradition Friedrich Nietzsches und Jean-Paul Sartres bezeichnen: Er ist aufrichtig sich selbst und anderen gegenüber und führt, so gut er kann, ein „authentisches Leben“. Allerdings ist Brian zu naiv, um als Held im Sinne Albert Camus’ zu gelten. In der Auffassung Camus’ findet die Suche nach dem Sinn des eigenen Lebens in einer zutiefst absurden, sinnlosen Welt statt. Der „absurde Held“ rebelliert gegen diese Sinnlosigkeit und bleibt seinen Zielen treu, obwohl er weiß, dass sein Kampf langfristig ohne Wirkung bleibt. Brian hingegen ist nicht in der Lage, die Sinnlosigkeit seiner Situation zu erkennen und kann deshalb auch nicht darüber triumphieren.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Das Leben des Brian aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.